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18. Juli 2026 – Juli 2028 Schultze Projects #5. Jana Euler - MUSEUM LUDWIG Köln

museum ludwigAlle zwei bis drei Jahre lädt das Museum Ludwig eine Künstlerin oder einen Künstler ein, die größte Wand im Haus – die Stirnwand im Treppenaufgang des Foyers – neu zu gestalten. Der Name Schultze Projects bezieht sich auf Bernard Schultze und Ursula (Schultze-Bluhm), deren künstlerische Teilnachlässe das Museum Ludwig verwaltet und zu deren Gedenken die Reihe 2017 initiiert wurde.        

Für die fünfte Ausgabe der Schultze Projects hat die Künstlerin Jana Euler (*1982 Friedberg) mit Triptych – Image Viewer Connections eine neue Wandarbeit entwickelt, die sich mit besonderen Arten des Sehens und des Wahrnehmens von Kunst sowie der Interaktion von Werk und Publikum beschäftigen.

Das Museum ist einer der wenigen Orte, an denen Sehen selbst zur Tätigkeit wird. Anders als im Kino, wo der Blick gelenkt und zeitlich gebunden ist, ist die Erfahrung im Museum von Bewegung geprägt: Wir gehen, verweilen, unterhalten uns und tauschen uns über das Gesehene aus. Im Gegensatz zum schnellen, fragmentierten Scrollen auf Bildschirmen nehmen wir uns mehr Zeit und schauen konzentrierter. Dauer, Abstand und Reihenfolge des Sehens bestimmen wir selbst. Oft betrachten wir Kunstwerke langsam, vergleichend und aus unterschiedlichen Perspektiven. Das Museum eröffnet zahlreiche Blickrichtungen und die Möglichkeit, den Augen freien Lauf zu lassen.

Eulers Beitrag thematisiert anschaulich und humorvoll jenen Prozess der Perspektivfindung. Die Künstlerin nutzt die spezifische räumliche Situation und die Möglichkeit, die Wand von drei verschiedenen Etagen und sogar im Herauf- und Heruntersteigen betrachten zu können. Die einzelnen Bilder haben variierende Formate und bedienen sich verschiedener Stile und Techniken. Die riesige Treppenhauswand, an der sie hängen, ist oben und an den Seiten mit einer Wandmalerei versehen, die das gewölbte Scheddach des Museums samt Klimaleiste und die Seitenwände in realistischer Manier wiederholt.        

Auf dem linken Bild mit dem Titel One on One ist ein mit Ölfarbe gemalter Langhaarcollie zu sehen, der nach fotografischen Vorlagen weitestgehend naturgetreu wiedergeben ist. Die Kippung des Bildes nach vorn verstärkt den Eindruck, dass der Hund auf die heraufkommenden Besuchenden zustürzt und ein Ausweichen unmöglich ist.

Das Rotbraun des Mittelbildes Nude Stairs Staring Back zitiert den für das Museum Ludwig typischen Fliesenboden. Es wirkt auf den ersten Blick wie eine abstrakte, kubistische Komposition, in der bei genauerem Hinsehen verschiedene Körperteile wie Augen, Münder, Ohren, Brüste und andere Geschlechtsmerkmale sichtbar werden „Das Motiv der nackten vermenschlichten Treppen, die das ganze Bild einnehmen, versuchen hier Blickkontakt mit jeder Position, von der aus man die Wand und das Bild sehen kann, aufzunehmen. Die Augen rutschen an den Bildrand und richten sich an die verschiedenen Höhen und Plattformen, auf denen die Betrachtenden potenziell stehen.“ (Jana Euler)

Das dritte Bild, Reclining Nude, ist mit Acrylfarbe auf Leinwand gesprüht. Es basiert auf den Farben und der Struktur des Holzbodens im Museum Ludwig. Ähnlich wie das linke Bild ist es so installiert, dass es leicht von der Wand absteht. In der auf den ersten Blick vollkommen abstrakten Komposition sind bei genauerer Betrachtung fünf Finger einer Hand zu erkennen, die einen Kopf stützt. Mit etwas Vorstellungskraft lässt sich auch der Rest des Körpers ausmachen, der abgewendet von den Betrachtenden mit angewinkelten Beinen liegend dargestellt ist. „Mensch und Bild sind eins, und es gibt keinen Blickkontakt, da die Figur in Gedanken mit dem Rücken zu dem Treppenhaus liegt. Ich denke, dass wegen der scheinbaren Ignoranz der Figur gleichzeitig eine Identifizierung stattfinden kann, genauso wie ein Wiedererkennen des Bodens, über den man in der Runde durch das Museum gelaufen ist.“ (Jana Euler)

Der illusionistische Effekt der die Werke umrandenden Wandmalerei entfaltet sich nur von einer bestimmten Position im Treppenhaus, da sie lediglich auf eine Perspektive ausgerichtet ist. Sie lässt die gesamte Fläche optisch kleiner erscheinen und die ohnehin schon großen Leinwände noch raumfüllender. Einmal mehr wird deutlich, wie wichtig die eigene Perspektive ist, aus der heraus etwas betrachtet wird. Von nicht minderer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang die Verbindung, in der man mit dem Gegenüber steht. Dass dies gleichermaßen für ihren Beitrag zu Schultze Projects wie auch im übertragenen Sinne gilt, ist eine der vielen Erfahrungen, die die Arbeit von Jana Euler bereithält.

Jana Euler hat an der Städelschule in Frankfurt studiert und hatte unter anderem Einzelausstellungen im WIELS, Brüssel (2024); Leopold-Hoesch-Museum, Düren (2024); Artists Space, New York (2020); Stedelijk Museum Amsterdam (2017); Portikus, Frankfurt (2015); Kunsthalle Zürich (2014) sowie dem Bonner Kunstverein (2014). Sie war vertreten bei der 59. Biennale von Venedig (2022). Wichtige Gruppenausstellungen waren u. a. im Museum Brandhorst, München (2023); The Museum of Modern Art (MoMA), New York (2023); Greene Naftali, New York (2023, 2018, 2017); Kunstmuseum Basel (2022); Fondazione Prada, Mailand (2021); KW Institute for Contemporary Art, Berlin (2021); Manifesta 13, Marseille (2020); Museum für Moderne Kunst, Frankfurt (2019); Tai Kwun, Hongkong (2019); mumok, Wien (2018); ICA Miami (2017–18); Musée d’art moderne et contemporain, Genf (2017) sowie dem Whitney Museum of American Art, New York (2013).

Kurator: Yilmaz Dziewior, Kuratorische Assistenz: Kerstin Renerig

Web und Social Media
Zur Ausstellung kommuniziert das Museum Ludwig auf seinen Social-Media-Kanälen mit dem Hashtag #SchultzeProjects

Facebook/Instagram/Twitter/Vimeo: @MuseumLudwig – www.museum-ludwig.de

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