Mit Sonnenenergie zu mehr Versorgungssicherheit

Foto Thorsten Schneiders  TH KölnForschungsprojekt belegt Potenzial von Photovoltaik für Gesundheitseinrichtungen in Ghana

Welche Rolle können Photovoltaikanlagen bei der Stromversorgung von Gesundheitseinrichtungen in Ghana spielen? Dieser Frage ist das deutsch-afrikanische Forschungskonsortium EnerSHelf mit Beteiligung der TH Köln nachgegangen. Die Ergebnisse belegen das Potenzial der Technologie und zeigen, welche technischen, politischen und gesellschaftlichen Faktoren eine nachhaltige Energiewende in dem afrikanischen Staat fördern oder behindern. Der interdisziplinäre Ansatz kann als Modell für ähnliche Projekte dienen.

In Ghana sind Stromausfälle wie in vielen anderen Entwicklungs- und Schwellenländern so alltäglich, dass es sogar ein eigenes Wort dafür gibt. In verschiedenen Dialekten der Akan-Sprache, die in Ghana von rund neun Millionen Menschen gesprochen wird, bezeichnet „Dumsor“ einen andauernden, unregelmäßigen und unvorhersehbaren Stromausfall. Diese Ausfälle und die generelle Instabilität des Stromnetzes sind vor allen Dingen für Gesundheitseinrichtungen mit großen Risiken verbunden. Medikamente können nicht mehr gekühlt werden oder lebensrettende medizinische Geräte fallen aus.

Dieser Problematik kann durch den Einsatz von Photovoltaik-Lösungen begegnet werden, so die Projektpartner. Besonders geeignet erscheint die Investition für private Betreiber*innen kleinerer Gesundheitseinrichtungen. Ein Großteil dieser Zentren ist derzeit auf Dieselgeneratoren angewiesen, um die Versorgung von Patient*innen sicherzustellen. Photovoltaik-Lösungen mit angeschlossenem Batteriespeicher könnten hier in Zukunft dazu beitragen, eine dauerhafte Stromversorgung sicherzustellen und gleichzeitig einen Beitrag zur Nachhaltigkeit liefern. 

Studierende der TH Köln installieren Photovoltaik

Das Cologne Institute for Renewable Energy (CIRE) der TH Köln ist schon länger in dem westafrikanischen Staat aktiv. So hatten Studierende aus den Studiengängen „Erneuerbare Energien“ eine 90 Kilowatt Photovoltaikanlage im St. Dominic´s Hospital in Akwatia im Südosten von Ghana installiert. Dort wurden im Zuge von EnerSHelf weiterführende Untersuchungen zur Nutzung der Solarenergie durchgeführt. Dazu gehörten Lastmessungen als Grundlage für die Modellierung der Lastgänge des Krankenhauses, sowie Messungen an der Solaranlage und der Aufbau einer Wetterstation mit den Projektpartnern. „Zudem haben wir im Projekt das frei nutzbare Modellierungstool MiGUEL entwickelt, das die Planung von Solaranlagen mit Batteriespeichern und Dieselgeneratoren ermöglicht. Wir möchten den Einsatz dieser Technologie in Entwicklungsländern besser planbar machen und somit einen Beitrag zu nachhaltigeren Gestaltung leisten“, sagt Prof. Dr. Thorsten Schneiders vom Cologne Institute for Renewable Energy der TH Köln.

In Kologo im Norden des Landes entstand im Rahmen des Projekts ein Solarcontainer, der eine ländliche Gesundheitseinrichtung mit Strom versorgt. Auch nach Projektende soll er weiter im Betrieb bleiben. Als Blaupause für eine gelungene Stromversorgung dient die Anlage allerdings nicht: „Jeder Ort und jede Einrichtung haben besondere Anforderungen. Ein wichtiger Teil des Projektes bestand daher darin, die gegebenen Wetter- und Klimabedingungen im Detail zu analysieren und erstmals energiemeteorologische Wettervorhersagen in Ghana bereitzustellen und für die Systemsteuerung zu nutzen. Wir verstehen nun besser, welche Bedingungen für einen erfolgreichen Betrieb von PV-Anlagen erfüllt sein müssen“, sagt Projektleiterin Prof. Dr. Stefanie Meilinger von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. 

Über das Projekt

Das Projekt EnerSHelF (Energy Supply for Healthcare Facilities in Ghana) wurde getragen vom Internationalen Zentrum für Nachhaltige Entwicklung an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, dem Cologne Institute for Renewable Energy der TH Köln, dem Institut für Geographie an der Universität Augsburg, dem Reiner Lemoine Institut, dem West African Science Service Center on Climate Change and Adapted Land Use, der University for Development Studies aus Tamale/Ghana, dem The Brew-Hammond Energy Centre an der Kwame Nkrumah University of Science and Technology in Kumasi/Ghana, sowie dem Industriepartner WestfalenWIND Beyond und dem Netzwerkpartner European Association of Development Research and Training. Vor Ort kooperierten die Forschenden mit dem St. Dominic's Hospital in Akwatia, dem St. Michaels' Hospital in Kumasi und dem Kologo Health Centre in Kologo. Gefördert wurde das Vorhaben über „CLIENT II - Internationale Partnerschaften für nachhaltige Innovationen“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. 

Weitere Informationen: www.enershelf.de

Abbildung: Photovoltaikanlage auf dem St. Dominic´s Hospital in Akwatia. (Foto: Thorsten Schneiders / TH Köln)

Quelle: www.th-koeln.de

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