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Digitalisierung von Lernprozessen im Handwerk - TH Köln und mehrere Partner haben eine AR-Software für den Einsatz in Betrieben entwickelt

AR Brille Bild TH KölnWenn Mitarbeitende ein Unternehmen verlassen, geht häufig wertvolles Fachwissen verloren. Die TH Köln hat in Zusammenarbeit mit zwei weiteren Hochschulen der Mittelstand-Digital Initiative und Praktiker*innen aus dem Handwerk eine Augmented-Reality-(AR)-Plattform geschaffen. Die Anwendung unterstützt Ausbilder*innen, Lerninhalte und Know-how selbst aufzuzeichnen, zu speichern und zu Lehrzwecken einzusetzen. Rund 900 Auszubildende in Betrieben der SHK Innung Köln nutzen bereits die Software.

„In Zeiten von Fachkräftemangel und demografischem Wandel ist die Weitergabe von spezifischem Wissen ein entscheidender wirtschaftlicher Faktor für Unternehmen. Gerade im Handwerk werden spezielle Kenntnisse und praktische Erfahrungen persönlich vermittelt; sie stehen oft nicht in Lehrbüchern und werden von den Betrieben in vielen Fällen auch nicht dokumentiert. Die AR-Software easyARguide ermöglicht es, diesen Wissensschatz zu konservieren und praxisorientiert zu nutzen“, sagt Leonard Grabow, Projektleiter und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Cologne Cobots Lab der TH Köln.

Um junge Menschen zu erreichen und die Ausbildung im Handwerk interessanter zu gestalten, setzt die Lernplattform auf Augmented Reality. Über AR-Brillen sehen Nutzer*innen die Umgebung und erhalten zusätzliche Informationen wie Bilder, Texte oder Animationen im Sichtfeld eingeblendet. „So können komplexe technische Abläufe direkt an Geräten oder Anlagen verständlich vermittelt werden“, erläutert Grabow.

Lerninhalte einfach und schnell programmieren

Der Prototyp der AR-Lösung basiert auf einem Lehr-Lern-Konzept der TU Darmstadt. Die technische Umsetzung der Software erfolgte durch Forschende der TH Köln und der HAW Hamburg. „Mit dem easyARguide können Ausbilder*innen und Fachkräfte in einem einfach zu bedienenden Baukastenmodus direkt am realen Objekt detaillierte Schritt-für-Schritt-Anleitungen erstellen, anpassen und verwalten“ gibt Grabow einen Einblick in die Funktionsweise. „Hierbei können sie die physische Arbeitsumgebung mit digitalen Elementen wie 3D-Modellen, animierten Pfeilen, Textfeldern, Fotos und Videos anreichern.“

Darüber hinaus können Lernende die erstellte Anleitung über ihr Endgerät abrufen. An der vorgesehenen Stelle im realen Raum werden die zuvor erstellten digitalen Elemente eingeblendet und führen die Person schrittweise und multimedial durch den technischen Prozess. Die App ist auf AR-, MR- und XR-Brillen sowie auf Tablets und Smartphones nutzbar.

Erfolgreicher Praxiseinsatz und Weiterentwicklung der AR-Anwendung

Während der Erprobungsphase wurde kontinuierlich Feedback von Fachpersonal in den Handwerksbetrieben eingeholt, um ein praxistaugliches Produkt präsentieren zu können. Mit Erfolg: Rund 900 Auszubildende in Betrieben der SHK Innung Köln setzen easyARguide bereits ein. Die Innung erhielt eine Innovationsförderung, um die Ausbildung durch moderne digitale Methoden aufzuwerten. „Mithilfe der Software können die angehenden Handwerker*innen technische Abläufe realitätsnah und praxisorientiert erlernen – im eigenen Tempo und zeitlich flexibel. Die Lehrenden haben mehr Raum für individuelle Betreuung, die Unternehmen berichten von einer höheren Effizienz und kürzeren Anlernzeiten. Dies ist für uns die Bestätigung, dass unsere Anwendung von der Zielgruppe akzeptiert wird und den wirklichen Bedarf in der Praxis erfüllt“, berichtet Grabow.

In einem Folgeprojekt arbeitet das Konsortium an der Integration von Künstlicher Intelligenz. Ziel ist es, Lehrmaterialien automatisch in AR-Inhalte umzuwandeln. Durch die Veröffentlichung als Open Source soll eine breitere Nutzung der Software ermöglicht werden, beispielsweise in der Hochschullehre.

Weitere Informationen zur Software und zum Download finden sich unter diesem Link: https://digitalzentrum-hamburg.de/easyarguide-ar-mittelstand/

Quelle: www.th-koeln.de
Abbildung: Blick durch eine AR-Brille: Mit easyARguide können Ausbilder*innen im Handwerk Lerninhalte selbst aufzeichnen, speichern und zu Lehrzwecken einsetzen. (Bild: TH Köln)

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